Wo stehen wir? 

Ein Großteil unserer aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen kann getrost als „wicked problems bezeichnet werden. So nennen Designer Problemstellungen, die nicht mehr auf einfache und lineare Lösungsstrategien reduziert werden können und durch ihre komplexen Wirkungszusammenhänge schier unlösbar erscheinen. Der absehbare Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme und unserer Gesundheitsversorgung, eine immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen Arm und Reich, die wachsende Altersarmut, der massive Umbau unserer Arbeitswelt, der Vormarsch datenbasierter  Kontrolltechnologien und engstirniger Weltbilder sind ebenso wie Klimawandel und der Raubbau an knappen Ressourcen Herausforderungen, die sich einfachen Lösungen widersetzen. Das Ende herkömmlicher Organisationsformen und Geschäftsmodelle, die Erosion von Führung in Politik und Wirtschaft – all dies sind hinreichend bekannte Stichworte, die signalisieren, dass unsere gesellschaftlichen Problemlösungskapazitäten weitgehend ausgeschöpft sind. „More of the same“ ist hier keine Option mehr.

Zugespitzt wird diese Ausgangslage durch den Zerfall unserer Gesellschaft in einzelne Sektoren und Teilbereiche, die jeweils ihrer eigenen Logik folgen und daher kaum mehr in der Lage sind, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Während unsere Wirtschaftsunternehmen nur noch danach trachten, die eigenen Gewinne zu steigern, unterwirft sich der Entscheidungshorizont politischer Institutionen mehr und mehr dem kurzfristigen Kalkül des Machterhalts in bestehenden Legislaturperioden. Universitäten ziehen sich entweder in den Elfenbeinturm des theoretischen Erkenntnisfortschritts zurück oder sind mit reiner Auftragsforschung beschäftigt. Es scheint, als ob wir uns verlaufen haben in den Routinen einer Selbstoptimierung, gefangen sind in der eigenen Pfadabhängigkeit und damit blind für die Konsequenzen des eigenen Tuns.

Dies betrifft nicht zuletzt auch die Veränderungen unsere Arbeitswelt, die mit dem Stichwort „Digitalisierung“ eher unzureichend und verharmlosend umschrieben werden. Folgt man den aktuellen Prognosen zur Transformation von Arbeitsplätzen durch Roboter, KI und selbstlernende Algorithmen, wird gerade in der westlichen Welt in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen bleiben. Die massive Überforderung von großen Teilen der Bevölkerung, die mit dem Gefühl einhergeht, Opfer der Geister zu werden, die man einst rief wird nicht ohne Folgen bleiben. Die Frage nach „above or below the algorithm“ entwickelt sich mehr und mehr zu einer entscheidenden Wegmarkierung für eine aus den Fugen geratende Gesellschaft. Unzufriedenheit und Radikalisierung sind dann die bitteren zwei Seiten der Münzen, mit der sich Autokraten, Populisten und nationale Ideologen ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft erkaufen. Ihre simplen und kurzsichtigen Rezepte sind das Gegenteil einer nachhaltigen Zukunftssicherung. Die von ihnen genährte Lust an den Schrebergärten der Vergangenheit verdeutlicht einmal mehr: Wer die Lösung hat, hat ein Problem. 

Wir sind dabei, unsere Gesellschaft zu einem „runaway system verkommen zu lassen. Auf der Strecke bleibt dabei die Arbeit an nachhaltigen, generationsübergreifenden Problemlösungen. Und damit auch unsere eigene Zukunftsfähigkeit. 

Was tun wir? 

Wir sind überzeugt davon, dass die „Nächste Gesellschaft“ (Peter Drucker) kein utopischer Raum ist, sondern hier und heute gestaltet werden kann und muss. Um so eine Zukunft zu ermöglichen, die nicht nur für einige wenige von uns attraktiv und lebenswert ist. Dies ist ohne Reibung mit den bestehenden Verhältnissen nicht zu haben.

Die Stiftung Nächste Gesellschaft (SNG) versteht sich als Wegbereiter für diese Auseinandersetzungen. Wo immer möglich, stößt sie entsprechende Initiativen an oder verstärkt bereits bestehende Aktivitäten. Sie versammelt dazu Entrepreneure, Künstler, Wissenschaftler und Führungskräfte, die sich als gesellschaftspolitische Aktivisten verstehen: Menschen also, deren Interesse die aktive Gestaltung und Erneuerung der gesellschaftlichen Zusammenhänge ist. Für diese Zielgruppe will die Stiftung Impulsgeberin und Heimathafen zugleich sein. Sie versteht sich nicht nur als eine Art „Dritter Ort“, an dem über bestehende Partikularinteressen hinweg Ideen weiter entwickelt und Fragestellungen vertieft werden. Ihr Anliegen ist auch ein konkretes Ausloten von Gestaltungsräumen durch Arbeitsformate, die sich als Live-Laboratorien der Nächsten Gesellschaft verstehen. Vernetzt ist sie mit Komplizen, die an wirkungsvollen Strategien der Veränderung arbeiten und ihren Worten auch Taten folgen lassen.   

Das ihrer Arbeit zugrundeliegende Prinzip heißt „Verbindung“ – es geht um die Kunst, Zusammenhänge zu schaffen: Zwischen Menschen mit ihren unterschiedlichen Motivlagen, zwischen Institutionen und Unternehmen mit ihren jeweils spezifischen Handlungslogiken und Interessen, zwischen einzelnen Silos und Teilsystemen unserer Gesellschaft. Ein kluges Design dieser überraschenden Nachbarschaften ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Arbeit an zukunftsfähigen Lösungen für die Probleme unserer Zeit. 

·      Connect

·      Co-Create

·      Collaborate

de_DEGerman
en_USEnglish de_DEGerman